Trinken für mehr Toleranz

Samir Kadunic hat eine Vision: Er möchte soziale Projekte mit Jugendlichen in Konfliktregionen fördern – mit einer langfristigen und unabhängigen Finanzierung. Denn die ist oftmals das Problem vieler sozialer Projekte. Schnell brechen Fördermittel weg, wenn ein anderes Thema politisch en vogue ist. Deshalb wollte Samir die Spende an ein Produkt koppeln. Möglichst eines, das Menschen gerne kaufen. Die Hälfte der Gewinne aus dem Verkauf geht als Spende an die von ihm ausgewählten sozialen Projekte.

Anfangs stand nicht fest, dass es sich bei dem Produkt um ein Bier handeln würde. Doch je mehr Samir und sein Team darüber nachdachten, desto passender erschien es ihnen. Bier wird weltweit getrunken, fördert geselliges Beisammensein und Bierbrauer gibt es fast überall. So waren die Voraussetzungen für das Social Startup geschaffen – ein Startup, das sich der  Nachhaltigkeit und gesellschaftlichem Mehrwert verschrieben hat. Manche sprechen auch von einem Startup mit gutem Gewissen.

Ich habe gemerkt: Ich selbst bin eigentlich kein Spender, weil ich den großen Organisationen nicht traue. Aber es gibt tolle soziale Projekte, für die es sich zu spenden lohnt. Wir machen das nicht auf herkömmliche Weise, sondern verbinden es mit etwas Schönem: Ich trinke ein Bier und ein Teil des Erlöses geht automatisch an einen guten Zweck. Einfacher geht es nicht.

Samir Kadunic

Samir selbst hat das Vertrauen in große gemeinnützige Organisationen verloren. Zu viele Skandale um veruntreute Spendengelder – letztlich wüsste man nie, wo das Geld lande. Das möchte er bei seinen Projekten anders machen. Keine Verwaltung, kein aufgeblähter Apparat, sondern kurze Wege und direkte Unterstützung. Die Projekte, die Samir mit seinem Friedensbier fördern möchte, sucht er selbst aus. Drei sind es schon: In Bosnien-Herzegowina – der Heimat von Samirs Eltern, in der Grenzregion zwischen Israel und Palästina und in Zypern, der geteilten Stadt. Gemeinsam mit seinem Team ist Samir mehr als 1.000 Kilometer gereist, um Menschen aus verschiedenen Regionen kennen zu lernen. Denn wer könnte besser beurteilen welche Projekte förderungswürdig sind als die Einheimischen.

Samir selbst hat erlebt, was Vorurteile bewirken können. Als in den 90er Jahren der Krieg im ehemaligen Jugoslawien ausbrach flohen Verwandte zu seiner Familie nach Deutschland. Es gab viel Streit, unausgesprochenes und Verletzungen, auch innerhalb der Familie. Deshalb möchte Samir vor allem eines: junge Menschen zusammen bringen, damit sie sich ein eigenes Urteil über ihre Mitmenschen bilden können. Frei von Vorurteilen. Denn Vorurteile sind für ihn der Nährboden für Konflikte.

Doch Samir geht noch einen Schritt weiter. Er fördert nicht nur soziale Projekte, in denen junge Bosnier, Serben und Kroaten, Israelis und Palästinenser und Zyprer aus der geteilten Stadt sich begegnen, sondern er bringt auch Bierbrauer aus diesen Konfliktregionen zusammen. Sie sollen Vorbilder für die jungen Erwachsenen ihres Landes sein und zeigen, dass ein Miteinander möglich ist. Indem sie ein Rezept für ein neues Craft Beer aus ihrer Region entwickeln und gemeinsam brauen.

So fördert DrinkForPeace indirekt die Toleranz verschiedener Generationen. Aber es gibt auch Widerstände. Besonders in Israel und Palästina. Bei ihrem Besuch dort ist das Team um Samir selbst Vorurteilen begegnet und hat Warnungen vor den Palästinensergebieten in den Wind geschlagen. Zu Recht – passiert ist ihnen nichts, im Gegenteil. Sie lernten die Gastfreundschaft der Palästinenser kennen. Doch mit dem Bier ist es nicht so einfach.

Dennoch verkauft DrinkForPeace ihr Friedensbier nicht nur in ihrem Online Shop, sondern auch über den Carft-Beer-Laden-Pionier Sebastian Riedmüller, auch wenn der seinen Shop im Fluxus schließt. Auch in der Craft-Bier-Kneipe Kraftpaule gibt es das Friedensbier. Weitere Vertriebskanäle sollen folgen. Und wer weiß, vielleicht gibt es künftig nicht nur ein Friedensbier von DrinkForPeace.

DrinkforPeace ist ein Social Startup und Gewinner des Wirkungsschaffer-Stipendiums des Social Impact Lab Stuttgart. https://stuttgart.socialimpactlab.eu/

Mehr Infos über DrinkForPeace: http://www.drink-for-peace.com/

Created by ch79 | 24 02 2016 | Filme

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